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#1 Pressemeldungen von/über damals von BruderOlyver 15.07.2010 13:47

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Montag, 28. Juni 2010 . . . . . n-tv - Meldung

Fundsache, Nr. 854 - Fast 400 Jahre alter Münzschatz

Mindestens 30 Silbertaler haben Archäologen in Sachsen gefunden. Der Schatz stammt aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges und war an einem ungewöhnlichen Ort versteckt.
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Einen Münzschatz aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges (1618-1648) haben Archäologen im sächsischen Borna entdeckt. Der Fund sei in verschiedener Hinsicht herausragend, sagte Landesarchäologin Regina Smolnik bei der Präsentation des Schatzes. Die Münzsammlung sei recht umfangreich, bisher wurden 30 Silbertaler gezählt. Zudem sei die Art und Weise, wie der Besitzer den Schatz versteckte, ungewöhnlich. Anders als sonst häufig üblich steckte dieser sein Geld nicht in einen Krug, sondern packte es in einen Beutel, den er mit einem dicken Klumpen Lehm schützte. So überdauerten die Münzen die Zeiten.

Der Besitzer des Schatzes müsse ein "sehr reicher Mensch" gewesen sein, vielleicht ein Kaufmann oder ein Ackerbürger, sagte Smolnik. Erste Nachforschungen ergaben auch, dass zu der Zeit, als der Schatz vergraben wurde, ein Bornaer Bürgermeister am Fundort wohnte. Die Münzen seien längst noch nicht alle bestimmt. Und es sei auch noch nicht überprüft worden, ob in dem Lehmklumpen noch mehr als die bisher sichtbaren Geldstücke stecken. Aber allein die bekannte Menge entspreche etwa einem halben Kilogramm Silber. Die Münzen wurden laut Smolnik wahrscheinlich um 1620/1630 vergraben. Eine der bereits identifizierten Münzen stamme aus der Zeit von Kurfürst August (1553-1586). In Sachsen wurden laut Smolnik bisher 67 Münzschätze gefunden.

Entdeckt wurde der Schatz bei Grabungsarbeiten im Frühjahr. Am Fundort im mittelalterlichen Stadtkern will eine Wohnungsgesellschaft ein neues Wohn- und Geschäftshaus errichten. Zuvor rückten wie gesetzlich vorgeschrieben die Archäologen an. Die Bornaer selbst sind, wie die Leiterin des städtischen Museums sagte, "stolz, dass bei uns in Borna so ein toller Schatz gefunden wurde". Viel werden sie davon aber nicht haben, der Schatz gehört dem Freistaat Sachsen. Der will ihn im Haus der Archäologie in Chemnitz ausstellen.

Birgit Zimmermann, dpa

#2 RE: Pressemeldungen von/über damals von BruderOlyver 15.07.2010 13:56

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Dienstag, 06. Juli 2010 . . . . . n-tv - Meldung

Fundsache, Nr. 859 - Uralte Fischreuse ausgegraben
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Archäologen haben eine 1600 Jahre alte Fischreuse in einem Alt-Arm der Emscher ausgegraben. Es ist die älteste Fischfang-Vorrichtung, die in Westfalen bislang entdeckt wurde, berichtete der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) in Münster.

Die Archäologen entdeckten die 2,30 Meter lange Reuse aus Weidengeflecht bei Ausgrabungen in Castrop-Rauxel-Ickern bei Dortmund. "Sie ist hervorragend erhalten und veranschaulicht wunderbar die Technik, mit der die Tiere ins Innere geleitet und so gefangen wurden" sagte Archäologe Christoph Grünewald.

Seit 2007 untersucht der Landschaftsverband an der Stelle eines geplanten Hochwasser-Rückhaltebeckens eine Fläche von zehn Hektar auf germanische Siedlungsspuren. Dabei kamen Funde aus dem 1. Jahrhundert vor Christus bis ins 4. nachchristliche Jahrhundert zutage. Darunter waren außerdem ein Angelhaken und einen Fischstecher aus Eisen sowie Münzen und Gewandspangen. Der Reusenfund wurde inzwischen eingegipst und zur Restaurierungswerkstatt des Verbandes nach Münster gebracht.

dpa

#3 RE: Pressemeldungen von/über damals von BruderOlyver 15.07.2010 14:12

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Dienstag, 13. Juli 2010 . . . . n-tv - Meldung

Fundsache, Nr. 865 - Landsknechte von 1628

Im Dreißigjährigen Krieg belagerten Wallensteins Truppen Stralsund. Fast 400 Jahre später werden in der Stadt die Überreste zweier Landsknechte samt Waffenarsenal entdeckt.

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Bei Grabungen in Stralsund sind Archäologen auf die gut erhaltenen Skelette zweier Soldaten aus dem Dreißigjährigen Krieg gestoßen. Außerdem entdeckten sie ein ganzes Waffenarsenal. Der Fund sei sensationell, sagte Heiko Schäfer vom Landesamt für Kultur- und Denkmalpflege in Stralsund.

Die beiden Landsknechte gehörten mit großer Wahrscheinlichkeit zu den Truppen Wallensteins, die im Jahr 1628 bei der Belagerung in einem Schützengraben überrannt und deren Leichen später verschüttet worden seien.

Die Archäologen fanden in dem rund fünf Meter langen Graben sechs Schwerter, sechs Speere mit Eisenspitzen oder Morgensternen sowie drei Musketen.

dpa

#4 RE: Pressemeldungen von/über damals von BruderOlyver 27.05.2011 17:53

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Freitag, 04. Februar 2011 . . . . n-tv - Meldung

Fundsache, Nr. 957 - Cranach-Bibel wiederentdeckt

Seit 1945 galt der erste Teil einer dreibändigen Ausgabe der Bibelübersetzung aus dem 16. Jahrhundert als verschollen. Nun ist die sogenannte Cranach-Bibel zurück. Wo sich die wertvolle Schrift in der Zwischenzeit befand, gibt das Kultusministerium Sachsen-Anhalt erst Mitte Februar bekannt.

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Eine rund 470 Jahre alte Bibel, die seit 1945 verschollen war, ist nun wieder in Sachsen-Anhalt. Es handele sich um den ersten Teil der sogenannten Dessauer Cranach-Bibel, wie das Kultusministerium in Magdeburg mitteilte.

Das Exemplar war seit seiner Auslagerung aus der Anhaltischen Landesbücherei Dessau seit Ende des Zweiten Weltkrieges verschwunden, hieß es. 2010 bekam das Land einen Hinweis auf den möglichen Verbleib. Mit Hilfe der Kulturstiftung der Länder konnte die Bibel ausfindig gemacht worden. Angaben dazu, wo sich die Bibel befand, machte das Ministerium unter Hinweis auf eine Präsentation am 15. Februar im Landeshauptarchiv in Dessau-Roßlau zunächst nicht.

Aus Zwei mach Drei
Fürst Georg von Anhalt (1507-1553) hatte die von ihm in Auftrag gegebene zweibändige Ausgabe der Bibelübersetzung von Martin Luther (1483-1546) in drei Bände aufteilen und kostbar in Samt arbeiten lassen. Das Fürstenexemplar sei ganz auf Pergament gedruckt und mit Holzschnitten von Lucas Cranach (1472-1553) ausgestattet worden, wie das Ministerium weiter mitteilte. Zudem wurde es ergänzt mit eigenhändigen Einträgen der Reformatoren Luther, Philipp Melanchthon, Johannes Bugenhagen und des Theologen Caspar Cruciger.

Bereits 1996 war der ebenfalls verschollene zweite Band der dreibändigen Prachtausgabe der lutherischen Bibelübersetzung nach Sachsen-Anhalt zurückgekehrt. Die Bibelexemplare für den anhaltischen Fürsten befanden sich seit den 1920er Jahren in der Anhaltischen Landesbücherei in Dessau. Von den drei Bänden galten die ersten beiden als Kriegsverlust. Der dritte war nicht verschwunden.

dpa

#5 RE: Pressemeldungen von/über damals von BruderOlyver 27.05.2011 18:05

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Mittwoch, 11. Mai 2011 . . . . n-tv - Meldung

Fundsache, Nr. 983 - König Hakons Messinghengst

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Eine Ausgrabung in der Hansestadt Stralsund hat sich mit Funden aus dem Mittelalter als wahre Schatzgrube für Archäologen erwiesen. Die Fachleute stießen in den vergangenen vier Jahren auf mehrere tausend, wenn nicht sogar zehntausend Funde, wie Detlef Jantzen vom Landesamt für Kultur und Denkmalpflege in Stralsund zum Abschluss der 800.000 Euro teuren Arbeiten sagte. Zu den bedeutendsten Funden gehört ein bronzenes, auch als "König Hakons Messinghengst" bezeichnetes Pferdchen, das einst als Gewichtsmarke in Skandinavien genutzt wurde.

Das 43 Gramm schwere Pferd, das in einer Fäkaliengrube aus den Jahren 1270 bis 1280 entdeckt wurde, sei der erste Fund eines solchen Gewichtes an der deutschen Ostseeküste, erklärte Grabungsleiter Jörg Ansorge. Es stehe sicher mit dem intensiven Handel der Stadt mit Norwegen in Verbindung. Die in Nordeuropa gebräuchlichen Gewichtsmarken wurden später nach Norwegens König Hakon (1270-1319) benannt; irrtümlicherweise wurde zunächst das Material als Messing identifiziert.

Ältester Fund ist eine Papstbulle von Papst Innozenz III., der von 1198-1216 Oberhaupt der Kirche war. Wie dieses Siegel, das älter als die für das Jahr 1234 bekundete Stadtgründung ist und einst eine heute nicht mehr erhaltene Urkunde schmückte, nach Stralsund kam, gibt den Archäologen heute Rätsel auf.

Angesichts der Fülle der Objekte sind abschließende Ergebnisse nach Einschätzung der Archäologen erst in Jahren möglich. Dass die archäologischen Funde mitten im Zentrum der Stadt so gut erhalten sind, ist einem tragischen Umstand geschuldet. Im Jahr 1944 stürzte ein amerikanischer Bomber auf das Quartier und zerstörte es fast vollständig. Danach wurde die Fläche nicht wieder bebaut, sondern bis 2007 als innerstädtische Grünfläche genutzt.

dpa

#6 RE: Pressemeldungen von/über damals von BruderOlyver 08.08.2011 13:59

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Mittwoch, 29. Juni 2011 . . . . n-tv - Meldung

Fundsache, Nr. 997 - Kölscher Ohrschmuck ausgegraben

In einem mittelalterlichen Abwasserkanal in Köln haben Archäologen einen kostbaren Goldohrring gefunden. Wie der Ausgrabungsleiter Sven Schütte berichtet, wurde das gut erhaltene Stück kürzlich bei einer Ausgrabung in der Kölner Altstadt entdeckt. Der Ohrring hat die Form einer Mondsichel und besteht aus rund acht Gramm Gold sowie mehreren Edelsteinen und Glasperlen. Er stammt laut Bodenanalysen aus dem späten 11. Jahrhundert. Was der Ring heute wert ist, konnte Schütte nicht sagen. Im Mittelalter hätte man sich davon aber mehrere Häuser kaufen können.

Ohrringe dieser Machart wurden den Angaben zufolge in Europa erst vier Mal gefunden. Lothar Lambacher, Experte für mittelalterliche Goldschmiedekunst, beschrieb das Schmuckstück daher als "Jahrhundertfund". Der Ausgrabungsort befindet sich direkt vor dem Historischen Rathaus Kölns. Dort lag im Mittelalter das Judenviertel. Die jüdische Gemeinde in Köln war die älteste nördlich der Alpen. Als die reiche Stadt im 14. Jahrhundert von der Pest heimgesucht wurde, wurden die Juden jedoch als Schuldige verleumdet und vertrieben.

dpa

#7 Tiroler trugen früher Tanga von BruderOlyver 16.08.2011 10:33

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Tiroler Tageszeitung - Printausgabe vom 19.01.2011

Ein etwas verstaubtes Stückchen Stoff verzückt derzeit die Archäologen nicht nur in Innsbruck. Es handelt sich um die älteste Unterhose Tirols aus dem 15. Jahrhundert.

Innsbruck, Nikolsdorf – Archäologen wollen ja schon von Berufs wegen immer wissen, was darunter – unter der Erde – liegt. Dabei blieb ihnen bisher oft verborgen, was Mann und Frau früherer Generationen darunter getragen haben. Denn selbst wenn sie Erdgräber freilegen, hat der Zahn der Zeit von den Textilien meist nicht mehr viel übrig gelassen.

Seit einiger Zeit hat das Team um Universitätsprofessor Harald Stadler vom Institut für Archäologien, Fachbereich Ur- und Frühgeschichte sowie Mittelalter- und Neuzeitarchäologie der Universität Innsbruck, aber ein Anschauungsobjekt für die Dessous-Mode des 15. Jahrhunderts in Händen: ein bräunliches Stück Leinen, das trotz einiger ramponierter Stellen deutlich die Form einer Unterhose hat, die mit Bändern zu verschnüren war. Gefunden wurde das Stück Stoff 2008 bei den Renovierungsarbeiten auf Schloss Lengberg bei Nikolsdorf in Osttirol. Die Unterhose in Tangaform sei wie Hunderte andere Textilienfragmente auch im Schutt einer Gewölbezwickelfüllung der Decke zwischen erstem und zweitem Obergeschoß zum Vorschein gekommen, erzählt Archäologin Beatrix Nutz. Sie widmet den Textilienfunden ihre Doktorarbeit mit dem Arbeitstitel „Unters Kleid geguckt. Die Textilien aus der Zwickelfüllung von Schloss Lengberg“.

Die Archäologen stufen das kleine Höschen als mittlere Sensation ein, nicht nur, weil sein Erhaltungszustand ein ausgesprochen guter ist. Anhand des Fundes könnte die Geschichte der Unterwäsche im Spätmittelalter neu geschrieben oder zumindest um einige Kapitel erweitert werden, glauben sie. Stadler spricht vom ersten derartigen Fund in Österreich. „Über die Bodenarchäologie finde ich nur, was sich in der Erde hält“, sagt der Professor. Die stärkere Beachtung von Zwickelfüllungen und Zwischenböden sei in der Mittelalter- und Neuzeitarchäologie ein junges Kind. Bisher sei man in der Frage, was mittelalterliche Menschen darunter trugen, weitgehend auf Abbildungen angewiesen gewesen, die eine Unterbekleidung, besonders bei Männern in Bädern, zeigen, die dem Fund ähnlich ist, erklärt Nutz.

Dass das Höschen wirklich eine derart lange Geschichte hat, bewies endgültig eine Altersbestimmung mittels der C14-Methode (Radiokohlenstoffdatierung). „Die Hose war im Zeitraum zwischen 1440 und 1485 in Gebrauch“, kann Nutz die Entstehungs- bzw. Benützungszeit der Unterhose ziemlich genau eingrenzen. Den Endpunkt kennt sie deshalb so genau, weil die Quellen davon berichten, dass die Um- bzw. Ausbauarbeiten an Schloss Lengberg, in deren Zuge auch das zweite Obergeschoß aufgesetzt worden war, zu diesem Zeitpunkt abgeschlossen waren. Warum die Hose letztlich als Isoliermaterial in einem Gewölbezwickel Verwendung fand, darüber kann Nutz nur spekulieren. Sie tippt aber auf die einfachste Form der Müll­entsorgung.

Ebenso Spekulation bleibt, wer die Unterhose getragen hat, ob der Besitzer männlich oder weiblich war. Eine DNA-Analyse an der Gerichtsmedizin in Innsbruck verlief ergebnislos. Fest steht aber, dass das Teil viel in Verwendung war, darauf deuten einige Reparaturnähte und eingenähte Flicken hin.

Beatrix Nutz ist derzeit damit beschäftigt, das Höschen einer Textilanalyse zu unterziehen. Sie zählt die Fäden pro Zentimeter, um herauszufinden, wie fein das Leinen gewebt ist. Auch die Nähte und Säume will sie unter die Lupe nehmen.

Übrigens: Noch ist auch der Tragekomfort von spätmittelalterlichen Unterhosen ein Rätsel. Eines jedoch, das gelöst werden soll und kann. Über Schnittmuster soll die Unterhose nachgeschneidert werden. Mit dem Original und anderen Funden aus Lengberg sind später auch Ausstellungen geplant.

Christoph Mair

#8 Verlassenes mittelalterliches Dorf taucht wieder auf von BruderOlyver 17.07.2017 10:08

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Wo sich heute unzählige Windräder drehen, war die hügelige Landschaft östlich des Dorfes Helmern bei Bad Wünnenberg schon vor vielen Jahrhunderten begehrt. Vor über 600 Jahren verließen die letzten hier ansässigen Familien ihr Dorf, das Bodene hieß. Auf die Siedlungsspuren sind jetzt die Archäologen des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) im Boden gestoßen.

Nachdem sich die Menschen, die hier viele Jahrhunderte ansässig waren, eine neue Heimat suchten, verfielen die Häuser oder wurden abgebaut. Das Land wurde wieder beackert - bis heute. Inzwischen ist die auch optisch beeindruckende Landschaft wieder für die Energiegewinnung ein gefragtes Nutzungsgebiet: Es sollen weitere Windräder entstehen. Bevor jedoch die Bauarbeiter anrücken, untersuchten jetzt die Archäologen unter der Fachaufsicht der LWL-Archäologie für Westfalen die Fläche. Die Spuren, die sie im Boden gefunden haben, geben interessante Einblicke in das mittelalterliche Dorf, das hier einst gestanden hat, und sein Alltagsleben.

So konnten die Ausgräber am Südrand der Siedlung noch die Standspuren eines Hof- und Dorfzaunes dokumentieren - zu erkennen an den Spuren der Pfosten im Boden. Auch die Pfostenlöcher einer Heuberge zeichneten sich noch deutlich unter der fruchtbaren Ackerkrume im gelben Lehmboden ab. Ein Brunnen versorgte die Hofbewohner mit Frischwasser. Auch dessen aus Steinen gemauerte Wände waren im Boden gut erhalten.

Die Voraussetzungen für die Bauern und eine fruchtbare Landwirtschaft waren also schon damals gut. Über mehrere Jahrhunderte hinweg blühte das Dorf. Ein überraschendes Ergebnis war für die Archäologen jedoch der recht frühe Beginn der Siedlung. LWL-Archäologe Dr. Sven Spiong hat Hinweise auf einen Siedlungsbeginn im 6., vielleicht sogar schon im 5. Jahrhundert: »Die Oberflächenfunde und die Keramikscherben aus dem damals schon fränkischen Rheinland zeigen, dass hier bereits 200 bis 300 Jahre vor dem großen Landesausbau im 8./9. Jahrhundert ein Dorf existierte.«

Bei der Auswertung des Grabungsplanes hoffen die Archäologen noch auf weitere Erkenntnisse wie einzelne Hausgrundrisse oder Hofareale.

Quelle: www.archaeologie-online.de/magazin/nachrichten

#9 Rekonstruiertes Schiff soll römischen Handel erklären von BruderOlyver 17.07.2017 14:17

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Mit Hammerschlägen haben gestern die Präsidenten der Universität Trier und der Hochschule Trier ein besonderes Wissenschaftsprojekt gestartet. Vordergründig geht es darum, ein antikes römisches Handelsschiff des Typs Laurons 2 möglichst originalgetreu und in ursprünglicher Größe nachzubauen. Dahinter steht die Absicht, Daten und wissenschaftliche Erkenntnisse zu gewinnen, die eine Neubewertung des Seehandels wie auch des Wirtschaftssystems des römischen Reiches insgesamt erlauben.

Wenn das 16 Meter lange, fünf Meter breite und vier Meter hohe Frachtschiff unter günstigen Voraussetzungen Ende 2018 die Bauhalle auf dem Campus der Universität Trier verlassen kann, beginnt der zweite und für die historische Wissenschaft bedeutende Teil des Projektes. Bei Messfahrten auf der Mosel sollen Leistungsdaten des Schiffes mit einem elektronischen Messsystem erfasst werden, das für die Segelregatta America's Cup entwickelt und an die speziellen Eigenschaften römischer Schiffe angepasst wurde. Dabei werden erstmals Segeldaten eines römischen Handelsschiffs erhoben - beispielsweise welche Kurse und wie schnell das Schiff bei einer bestimmten Windrichtung und -stärke segeln konnte. Diese Messdaten werden es erlauben, die bisher schon an der Universität Trier erforschten Methoden zur Berechnung der Kapazitäten von antiken Seerouten weiter zu präzisieren. "Diese Ergebnisse können als Grundlage weitergehender Forschungen dienen, die nicht nur den römischen Seehandel, sondern vielmehr auch Grundfragen der Wirtschafts- und Sozialgeschichte tangieren", sagt der Projektleiter, Althistoriker Prof. Dr. Christoph Schäfer von der Universität Trier.

Außergewöhnlich und vorbildlich wird dieses Projekt nicht alleine durch seinen experimentell-wissenschaftlichen Ansatz, sondern auch durch die intensive Einbindung von Studierenden. Kommilitonen der Universität und freiwillige Helfer bauen das Schiff unter Anleitung eines erfahrenen Bootsbaumeisters, der schon an drei von Professor Schäfer geleiteten Rekonstruktionen römischer Militärschiffe beteiligt war.

Maschinenbaustudenten der Hochschule Trier haben unter der Anleitung ihres Dozenten Michael Hoffmann ein Datenmodell des Schiffs nach Risszeichnungen von Dr. Ronald Bockius vom Museum für Antike Schiffahrt in Mainz erstellt, das eine Überprüfung der Fahreigenschaften parallel zum realen Nachbau ermöglicht. Die digitale 3D-Rekonstruktion wird Datengrundlage für intensive Berechnungen und Simulationen, aber auch für den aufwendigen 1:1-Nachbau. Letztendlich gilt es durch den Vergleich der virtuellen Daten mit den tatsächlich an der Rekonstruktion bei Testfahrten gemessenen Werten auszuloten, inwieweit man künftig Daten historischer Segelschiffe rein virtuell und somit kostengünstiger ermitteln kann.

Eine Vielzahl von Kooperationen und Förderungen durch regionale Einrichtungen und Unternehmen machen "Laurons 2" darüber hinaus zu einem Musterprojekt der Trierer Wissenschaftsallianz, die sich Zusammenarbeit und Vernetzung von Institutionen und den Transfer von Wissenschaft in die Region zum Ziel gesetzt hat.

Die Rekonstruktion eines römischen Handelsschiffs muss von einem konkreten Schiffsfund ausgehen, weil Reliefs, Münzen oder Schriftquellen so wenig Informationen zur Konstruktion solcher Schiffe bieten, dass nur durch den Rückgriff auf ein gut erhaltenes Wrack die notwendige Detailtreue gewährleistet ist. Der unvergleichlich gute Erhaltungszustand des bei Laurons in Frankreich gefundenen Wracks gilt in seiner Vollständigkeit als einmalig im gesamten Mittelmeerraum. Deshalb bietet dieser Fund die beste Grundlage für die Erforschung römischer Handelsschiffe und ermöglicht darüber hinaus einen außergewöhnlichen Einblick in die Handwerkskunst römischer Bootsbauer. Das Projekt unter dem Titel "Potential und Intensität des römischen Seehandels unter besonderer Berücksichtigung der Leistungsfähigkeit eines rekonstruierten seegängigen Handelsschiffes" wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert.

Der antike, insbesondere der römische maritime Handel umfasste nicht nur das gesamte Küstengebiet des Mittelmeerbeckens, sondern erstreckte sich unter anderem bis ins Schwarze Meer, an die Atlantikküsten Europas und Nordafrikas und selbst bis in die Nord- und Ostsee hinein. Dieser in einem antiken Sinne schon global zu nennende Handel ist dank der Forschung der letzten Jahrzehnte aufgrund epigraphischer und papyrologischer Quellen recht gut zu fassen. Dagegen sind wichtige Fragen in Bezug auf den Seehandel, der um ein Vielfaches kosteneffizienter war als der Transport von Waren über Land, immer noch ungeklärt. Dabei wurde gerade der Seehandel, der auf den Transport sowohl von massenproduzierten Alltagswaren als auch von Luxusartikeln gleichermaßen spezialisiert war, mehr als andere Handelssparten von technologischen Entwicklungen und allgemein den Möglichkeiten antiker Technik beeinflusst. Auf diesem Gebiet steckt die Forschung in vielen Feldern noch in den Anfängen, wenngleich in den vergangenen Jahrzehnten auch hier wichtige Fortschritte erzielt wurden – oder doch zumindest zunehmend die Erkenntnis wuchs, dass solche Fragestellungen bedeutsam für die Einschätzung des römischen Handels sind.

Quelle: www.archaeologie-online.de/magazin/nachrichten

#10 Ältester Teil des Karlsgrabens nachgewiesen von BruderOlyver 19.07.2017 14:13

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Der Karlsgraben ist das bedeutendste Infrastrukturprojekt des frühen Mittelalters in Zentraleuropa. Der von Karl dem Großen initiierte Kanal zwischen den Orten Treuchtlingen und Weißenburg (Bayern) sollte einen durchgehenden Schifffahrtsweg zwischen Rhein und Donau schaffen. Ein interdisziplinäres Forscherteam hat durch Ausgrabungen und Holzaltersbestimmungen nun den bislang ältesten Teil des Bauwerks nachgewiesen.

Der Baubeginn des Kanals konnte dadurch um mehrere Monate zurückdatiert werden. Die ältesten bislang bekannten Teile des Bauwerks wurden im Herbst 793 errichtet. Schriftquellen berichten, dass Karl der Große sich in dieser Zeit selbst an der Baustelle aufhielt. Neue Datierungen von Bauhölzern einer 2016 durchgeführten Ausgrabung belegen erstmals, dass die Bauarbeiten bereits im Winterhalbjahr 792/793 begonnen wurden. Karl der Große kam also nicht zum ersten Spatenstich, sondern besuchte eine bereits weit fortgeschrittene Baustelle. Die Neudatierung beantwortet die seit über 100 Jahren kontrovers diskutierte Frage nach dem Baubeginn und wirft ein völlig neues Licht auf den historischen Kontext des Bauvorhabens.

Die Forschungen sind Teil des Schwerpunktprogramms "Häfen von der römischen Kaiserzeit bis zum Mittelalter" der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Seit 2012 arbeiten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universitäten Jena, Leipzig und Kiel, des Leibniz-Instituts für Photonische Technologien Jena sowie des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege gemeinsam an diesem Projekt.
Der Karlsgraben ist das bedeutendste und ambitionierteste Infrastrukturprojekt des frühen Mittelalters in Zentraleuropa. Bei den heutigen Orten Treuchtlingen und Weißenburg (Bayern) wollte Karl der Große im späten 8. Jahrhundert mit Hilfe eines Kanals einen durchgehenden Schifffahrtsweg zwischen Rhein und Donau schaffen.

Die genaue Datierung dieses Bauwerks war lange umstritten. Die sogenannten Reichsannalen – ein Jahrbuch wichtiger Ereignisse im Karolingerreich – berichten, dass Karl der Große im Herbst 793 die Baustelle des Karlsgrabens besucht hat. Andere zeitgenössische Quellen wie die sogenannten Alemannischen Annalen schildern, dass der Bau bereits 792 durch Karl den Großen angeordnet wurde. Daraus erwuchs eine lange Forschungsdiskussion, wann und unter welchen politisch-ökonomischen Rahmenbedingungen der Baubeginn erfolgte und wie lange der Bau gedauert hat.

Bereits 2013 gelang es durch Ausgrabungen und Holzaltersbestimmungen, einen Bauabschnitt im Mittelteil des Kanals in den Spätsommer/Herbst 793 zu datieren. Dort wurde gearbeitet, als Karl der Große wie in den Schriftquellen geschildert die Baustelle besuchte. Im Sommer 2016 wurden nach vielfältigen Voruntersuchungen der beteiligten Fachbereiche im nördlichsten bekannten Teil des Kanals neue Ausgrabungen durchgeführt. Dabei gelang es, zahlreiche hervorragend erhaltene Bauhölzer der Kanalkonstruktion zu bergen.

Nun liegen nach monatelangen Analysen neue und spektakuläre Ergebnisse zur Datierung dieses Bauabschnittes vor. Insgesamt konnten mehr als zwei Dutzend Hölzer anhand ihrer Jahrringfolgen jahrgenau oder sogar jahreszeitengenau datiert werden. Die jüngsten Hölzer des 2016 untersuchten Bauabschnittes datieren in den Frühsommer (wohl Mai) 793 und damit mehrere Monate früher als die 2013 untersuchten Hölzer. Die im Frühsommer 793 gefällten Hölzer wurden frisch und ohne längere Lagerung verbaut. Die Aushubarbeiten in diesem Bauabschnitt müssen also im Mai 793 abgeschlossen gewesen sein. Etwa ein Drittel der 2016 geborgenen Hölzer datierte jedoch früher. Sie bergen die eigentliche Sensation der Altersbestimmungen, da sie bereits im Winterhalbjahr 792/793 gefällt wurden, bevor im April/Mai 793 die Vegetationsperiode und die neue Jahrringbildung eingesetzt hat.

Dadurch ist belegt, dass die Bauarbeiten am Karlsgraben mehrere Monate früher begonnen haben als bislang bekannt. Die Schilderung in den Schriftquellen, dass der Befehl zum Bau des Kanals bereits 792 erfolgt ist, gewinnt dadurch deutlich an Wahrscheinlichkeit.

Auch in der deutschen Ausgabe von Wikipedia findet sich ein Artikel zu der ambitionierten Baumaßnahme von Karl, genannt der Große. Das betreffende Stichwort lautet "Fossa Carolina".

Quelle: www.archaeologie-online.de/magazin/nachrichten

#11 Zweite Glockengussgrube aus dem Frühmittelalter in Dülmen entdeckt von BruderOlyver 12.08.2017 22:36

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Anfang des Jahres [2016] sorgte der Fund der ältesten Glockengussgrube Deutschlands im Stadtkern von Dülmen für Aufsehen. Jetzt fanden Archäologen an derselben Stelle eine zweite Grube, in der Kirchenglocken, gegossen wurden. Diese ist sogar noch ein wenig älter als die erste. Damit müssen die Archäologen des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) ihr Urteil widerrufen, wenn auch nur kurz: Die älteste Glockengussgrube Deutschlands steht weiterhin in Dülmen, nur eben etwas tiefer im Boden.

Als die LWL-Archäologen im Januar 2016 auf der Baustelle des Intergenerativen Zentrums in Dülmen im Boden auf schwarze Holzkohle, roten Lehm, grünliche Bronzereste und Stücke von Keramik stießen, war ihnen klar: Hier lauert ein ganz besonderer Fund. Naturwissenschaftliche Untersuchungen ergaben, dass es in Deutschland keine Glockengussgrube gibt, die älter ist. Im Laufe der folgenden Monate legten die Archäologen die gesamte Stelle frei, und es zeigten sich ähnliche Befunde etwas tiefer daneben.

»Da sich Geschichte im Boden in Schichten abzeichnet, kann die zweite Glockengussgrube nur älter sein als die erste. Wir gehen allerdings von einem zeitlichen Abstand von Wochen, wenn nicht sogar Tagen aus«, erklärt Grabungsleiter Dr. Gerard Jentgens. Aktuelle Untersuchungen müssen noch zeigen, ob es sich bei beiden Glockengussgruben nicht sogar um die ältesten in Europa handelt.

Quelle: http://www.archaeologie-online.de/magazin/nachrichten/

#12 In Haithabu kam Lofoten-Dorsch auf den Tisch von BruderOlyver 13.08.2017 00:16

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Internationales Wissenschaftsteam weist frühen Lebensmittel-Fernhandel nach

Getrockneter Kabeljau von den Lofoten gehörte nachweislich seit dem 13. Jahrhundert zu den Handelsgütern, die Hansekaufleute mit guten Gewinnen bis nach Südeuropa lieferten. Doch wie alt der Fischhandel mit Nordnorwegen tatsächlich war, ist in der Wissenschaft umstritten. Eine neue Studie belegt, dass schon die wikingerzeitlichen Menschen in Haithabu Kabeljau von den Lofoten speisten.


Ananas aus Brasilien, Kiwis aus Neuseeland und Kaffee aus Kenia: Heutige Supermarktauslagen vermitteln eine Vorstellung vom globalen Netz des Lebensmittelhandels. Doch der Fernhandel mit Nahrung ist kein neues Phänomen. Ein bekanntes historisches Beispiel ist Trocken- oder Stockfisch. Auf den Lofoten vor Nordnorwegen aus Kabeljau (arktischem Dorsch) hergestellt, lieferten die Kaufleuten der Hanse ihn bis nach Südeuropa und erzielten damit zwischen dem 13. und 15. Jahrhundert satte Gewinne. Umstritten ist aber bisher, wie lange es diesen Trockenfischhandel mit Nordnorwegen vorher schon gab.

Ein internationales Wissenschaftsteam unter Leitung der Universität Oslo hat jetzt mit Beteiligung des GEOMAR Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung Kiel und des Schleswiger Zentrums für Baltische und skandinavische Archäologie Belege dafür gefunden, dass bereits in der Wikingerzeit zwischen 800 und 1100 n. Chr. Dorsch aus Nordnorwegen und der Arktis auf dem Speiseplan der Menschen in Mitteleuropa stand. »Der Dorsch, der beispielsweise in Haithabu gegessen und gehandelt wurde, stammte zumindest teilweise von den Lofoten«, sagt Koautor Jan Dierking, Biologe am GEOMAR.

Für die kürzlich in den Proceedings of the National Acadamy of Science (PNAS) veröffentlichte Studie nutzen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler neue Methoden zur Gewinnung alter DNA aus archäologischen Knochenproben, sowie neueste genetische Analyseverfahren. So konnten sie das Genom von Dorschen rekonstruieren, die an verschiedenen wikingerzeitlichen und mittelalterlichen Siedlungsplätzen gefunden worden waren, darunter Haithabu bei Schleswig. Diese Proben wurden mit dem Genom von Dorschen aus heutigen Beständen in der östlichen Ostsee, im Öresund, in der Nordsee, vor den Lofoten und in der nordöstlichen Arktis verglichen.

Schon die ersten Analysen zeigten: Die in Haithabu gefundenen Fischknochen stammten nicht aus den nächstgelegenen Fischgründen in der Ostsee. Doch erst genauere Untersuchungen zeigten eindeutig: Es handelte sich um Dorsche aus der nordöstlichen Arktis, die jedes Jahr im Winter zum Laichen vor die Lofoten ziehen und bis heute Grundlage der dortigen Fischerei sind. »Ähnliche Studien hat man schon früher versucht. Aber erst die Rekonstruktion ganzer Genome aus archäologischen Fischknochen, wie sie in dieser Studie gelungen ist, hat so eindeutige Ergebnisse geliefert«, sagt Dr. Dierking.

Damit zeigt sich, dass der Handel mit Dorsch von den Lofoten bis nach Mitteleuropa schon vor mehr als 1200 Jahren begonnen haben muss und somit deutlich älter ist, als bisher bewiesen werden konnte. Für die Kieler Biologen war die Mitwirkung an der Studie eine interessante Erfahrung. »Wir nehmen regelmäßig Gewebeproben von den heutigen Ostseedorschbeständen. Eigentlich wollen wir damit herausfinden, ob sich diese Bestände miteinander vermischen und wie sie sich an wandelnde Umweltbedingungen anpassen«, erklärt Dr. Dierking. »Dass unsere Proben uns jetzt eine Zeitreise in die Wikingerzeit beschert haben, war wissenschaftlich, aber auch als Schleswig-Holsteiner eine schöne Erfahrung, sagt Dr. Christoph Petereit vom GEOMAR, ebenfalls Koautor der Studie.

Quelle: http://www.archaeologie-online.de/magazin/nachrichten

#13 Spuren einer mittelalterlichen Handwerkersiedlung von BruderOlyver 24.10.2017 16:14

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Im Zusammenhang mit dem Bau von Windkraftanlagen bei Paderborn-Benhausen haben Archäologen des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) Spuren einer mittelalterlichen Siedlung gefunden. Die Entdeckung ist für die Stadtarchäologie Paderborn von besonderem Interesse, da bislang aus diesem Gebiet archäologisch wenig bekannt ist.

Dort, wo während der Bauarbeiten ein großer Kran stand, stießen die LWL-Archäologen in der Erde auf sogenannte Grubenhäuser aus dem Mittelalter. Hierbei handelt es sich um Wohn- oder Werkstattgebäude, die in den Boden eingegraben wurden. Von solchen Häusern bleiben bis heute verfüllte Gruben zurück, die in diesem Fall etwa 4 bis 6 m² groß sind.
Außerdem fanden die Archäologen die Reste mehrerer Öfen, in denen Eisen gewonnen wurde. Darauf deuten auch die vielen auf der Fläche verteilten Stücke von Schlacke, die als Abfallprodukt bei der Erzeugung von Eisen entstanden sind. »Nach unseren bisherigen Erkenntnissen haben wir hier wohl die Werkstätten von einem oder mehreren Schmieden entdeckt«, vermutet die Paderborner Stadtarchäologin Dr. Sveva Gai. »Offenbar handelt es sich um eine Art mittelalterliches Gewerbegebiet.«
Dass die Häuser und die Öfen aus dem Mittelalter stammen, wissen die Forscher durch die Keramikscherben, die sie in den Gruben gefunden haben. Die Scherben gehören zu Töpfen, die für das 9. bis 11. Jahrhundert typisch sind. Die Größe der Siedlung können die Archäologen bislang nur schätzen: Sie betrug mindestens 3.000 Quadratmeter.
Das ausgegrabene Handwerkerviertel von Paderborn-Benhausen gehört wahrscheinlich zu der einstigen Siedlung Marsfelde, die bislang nur aus schriftlichen Quellen bekannt war. Die Siedlung wurde im Mittelalter aufgegeben und von ihren Bewohnern verlassen. Solche Städte bezeichnen Archäologen als »Wüstungen«. An das vergangene mittelalterliche Städtchen erinnert heute noch die Marssaut, eine Wasserstelle nicht weit entfernt von der Ausgrabungstätte. Auch der Name der Landschaft »Moorsfeld« leitet sich von der alten Siedlung ab. Marsfelde wird im Jahr 1024 erstmalig in einer Urkunde erwähnt und gilt als älteste Wüstung in dem Gebiet um Benhausen.
Die Archäologen des LWL wurden hier in Paderborn-Benhausen nicht zum ersten Mal fündig. Schon zu Beginn der Bauarbeiten im Dezember letzten Jahres kamen erste Grubenhäuser und Ofenreste ans Tageslicht. Seit Abschluss der Bauarbeiten im Juni 2017 wurden auf zwei weiteren Teilflächen Untersuchungen durchgeführt, bevor die ehemalige Baustelle wieder für die landwirtschaftliche Nutzung aufbereitet werden soll. Es stellte sich heraus, dass auf diesen Flächen zahlreiche archäologische Befunde liegen. Da diese durch die Bauarbeiten nicht weiter gefährdet waren, endeten die vom Denkmalschutzgesetz NRW festgelegten Verpflichtungen des Investors, die Dokumentation der Befunde zu finanzieren. Die Fundstelle ist aber so bedeutend, dass die Wiederverschließung der Befunde, ohne diese auszugraben, einen viel zu großen Befundverlust verursachen würde. Die Befunde liegen teilweise nur 30 cm unter der Erdoberfläche. Daher droht die Gefahr, dass diese durch das Pflügen unwiederbringlich zerstört würden.
Um die Befunde zu sichern, führte die Stadtarchäologie Paderborn die Arbeiten für drei Wochen als Lehrgrabung für Studierende weiter. Weitere Unterstützung kommt durch Teilnehmer einer Kooperation mit dem katholischen Verband IN VIA Paderborn, der Langzeitarbeitslosen Brückenjobs bzw. Arbeitsgelegenheiten (AGH) bietet. So gelang es den Archäologen des LWL, ein wichtiges Stück mittelalterlicher Geschichte vor den Stadttoren Paderborns zu sichern.

Quelle: http://www.archaeologie-online.de/magazin/nachrichten/

#14 Glücksfall öffnet Tür ins mittelalterliche Trier von BruderOlyver 26.10.2017 10:38

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Zinsen zu nehmen war im Mittelalter verboten, steht in unseren Schulbüchern, und nur die Juden sollen davon ausgenommen gewesen sein. Doch woher kriegte man dann den Kredit, den man für eine größere Investition brauchte? Oder, anders herum gefragt, wie konnte jemand im Mittelalter Geld anlegen? Was, wenn es nur wenige oder gar keine professionellen Geldverleiher gab? Für manche dieser Fragen bietet ein wiederentdecktes Zinsenregister der Stadt Trier aus den Jahren 1347–1406 neue Aufschlüsse. In 2300 Einträgen ist zumeist von Hypotheken und Zinsen die Rede.

Die Wiederentdeckung der verschollenen Handschrift mit dem Trierer »Zins- und Hypothekenregister« von 1347 bis 1406 im Mai 2012 hat eine Fülle von bislang unbekannten Informationen über die Stadt Trier im Spätmittelalter zutage gefördert. Für Historiker der Universität Trier war der Fund ein Glücksfall. Ihre Arbeit und ihre Erkenntnisse werden nun in einer Video-Dokumentation vorgestellt.

In einem Kooperationsprojekt von Mittelalterlicher Geschichte (Prof. Dr. Lukas Clemens) und Geschichtlicher Landeskunde (Prof. Dr. Stephan Laux) werten Forscher das »Zins- und Hypothekenregister« aus und bereiten es zur Publikation vor. Mit Unterstützung des Forschungszentrums Europa (FZE) wird zudem eine digitale Karte des spätmittelalterlichen Trier entwickelt.

Die Bedeutung der wiederentdeckten Handschrift im Hinblick auf den Trierer Kapitalmarkt in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts wird in insgesamt acht Video-Episoden veranschaulicht. Zwei sind bereits zu sehen, die übrigen folgen in den kommenden Wochen. Dabei werden auch Themen wie »Kirche und Kapital«, »Die Juden in Trier« und »Die Pest in Trier« behandelt. Die Videodokumentation entstand in Kooperation mit der Gerda Henkel Stiftung, die das Projekt fördert. Sie sind auf dem Videoportal »L.I.S.A.« der Stiftung zu sehen.

Quelle: www.archaeologie-online.de/magazin/nachrichten

#15 Dänemarks größter Wikinger-Goldschatz von BruderOlyver 13.06.2018 15:09

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Fundsache, Nr. 1329 - 10.06.2016

Amateur-Archäologen haben Dänemarks bislang größten bekannten Goldschatz aus der Wikingerzeit gefunden. In der vergangenen Woche seien die drei Dänen, die sich "Team Rainbow Power" nennen - ein Pärchen und ihr Bekannter - mit ihren Metalldetektoren auf einem Feld in der Gemeinde Vejen in Jütland auf sieben Armreifen gestoßen, teilt das dänische Nationalmuseum mit.

Den genauen Fundort will das Nationalmuseum in Kopenhagen bisher nicht verraten, um den Schatz in Ruhe untersuchen zu können. Zudem hoffen seine Mitarbeiter, dort vielleicht noch mehr Ähnliches zu finden.
Die Fundstücke aus der Zeit um 900 nach Christus - sechs Goldarmreifen und einer aus Silber - wögen zusammen ein Kilogramm, berichtete das Museum. Sie gehörten vermutlich der absoluten Wikinger-Elite. Eine Goldkette, die im Jahr 1911 auf dem selben Feld entdeckt worden war, gehöre wahrscheinlich auch zu dem Schatz, hieß es.

Wikingerzeit eigentlich "silbernes Zeitalter"
Einer der Goldarmreifen ist im Jelling-Stil gearbeitet: er war verbreitet in Skandinavien vom Anfang des 10. Jahrhunderts bis etwa 975. Die Wikingerzeit sei eigentlich "das silberne Zeitalter"; der überwiegende Teil der Funde sei aus Silber, so Peter Pentz, Winkinger-Experte und Kurator des Nationalmuseums. Wenn Gold aus der Zeit entdeckt wurde, dann immer nur in kleinen Mengen oder als Teil des Fundes – nicht wie hier fast der gesamte Fund, so Pentz weiter. Das mache einen Teil der Besonderheit dieser Entdeckung der Amateur-Archäologen aus.
Vor etwa 1000 Jahren versetzten die Wikinger im Norden Europas Küstenbewohner in Angst, waren gefürchtete Krieger und Eroberer. Doch das Bild der groben Kerle und Plünderer zeigt nur einen kleinen Ausschnitt aus ihrem vielseitigen Leben. So waren die Wikinger auch geschickte Handwerker und erfolgreiche Händler. Sie besaßen ein Netzwerk, das über mehrere Kontinente reichte.

Quelle: n-tv.de , abe/dpa

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