#1 Burg Hofraite (Büdingen) von BruderOlyver 20.05.2022 12:50

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Es gab immer wieder Ideen von ambitionierten Mitmenschen zum Bau einer eigenen Burg. Fast jeder von uns baute einst als Kind mit Sand, Bauklötzen, dänischen Kunststoffklemmbausteinen oder ähnlichem etwas burgähnliches gebaut. Aber nur wenige Erwachsene versuchten dieses in groß. Und von den Versuchen blieb offensichtlich nichts mal mehr die jeweilige Homepage übrig. Die einzige Ausnahme, die stets als Begründung für die Machbarkeit herangezogen wird, die auch finanziell im Plan war, ist das im französischen Departement Yonne gelegene Burgbauprojekt Guédelon. - Nun hat sich im hessischen Büdingen ein Verein gegründet mit der Absicht eine Burganlage des 11. Jahrhunderts zu bauen. Es soll also in 10 bis 15 Jahren eine Motte mit Vorburg in der Landschaft stehen.

Die Homepage des Bauprojektes stellt das Konzept vor: Der Bau soll von Anfang an wissenschaftlich begleitet, dokumentiert und besichtigungsfähig werden. Vor allem beim letzten Punkt drängt die Befürchtung auf, dass es ähnlich laufen könnte wie beim Meßkirchner campus-galli oder dem Burgbau Friesach: Ab dem Moment, in dem den Einnahmen durch Baustellenbesucher die oberste Priorität eingeräumt wird, gerät das ganze Projekt in Gefahr zu einem Hollywood-Disney-Biligverschnitt zu mutieren!

Aktuell ist das Projekt noch in den ersten Entwicklungsstufen. Eine davon ist das Crowdfunding; bis zum 31. Mai 2022 sollen/müssen die Mittel aufgebracht werden, womit die ersten Kosten beglichen werden sollen. Gemessen an den millionenschweren Landes- & EU-Töpfen andere deutscher Mittelalterprojekten sind die pekuniären Anforderungen geradezu lächerlich gering (ich hörte etwas von 6.000 €). Das gute am Crowdfounding ist, dass wenn das Projekt nicht zustande kommt, jeder seine Einlagen wieder zurück bekommt.

Gönnen wir der Turmhügelburg zu Büdingen ein wenig Zeit und hoffen darauf, dass es endlich ein mittelalterliches Projekt geben wird, dass es verdient gefördert zu werden!

#2 Burg Hofraite (Büdingen) von BruderOlyver 20.05.2022 15:52

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In einem Chat zwischen Eike Wedemeyer von der mittelalterlichen Söldnerinteressengruppe „Keines Weibes Knecht“ einerseits und dem Vorsitzenden des Vereins „Burg Hofraite e.V.“ Dipl. Ing Marko Appel andererseits wurde u. a. darüber gesprochen, was in welcher Reihenfolge gebaut werden soll. Bewundernswerterweise soll zunächst die Vorburg errichtet werden. Bei der Besichtigung der Turmhügelburg Lütjenburg reifte schnell die Erkenntnis, dass so ein Turm „einem Scheinriesen gleicht“: er sieht von weitem erst einmal imposant aus, aber wenn man mal darin und oben ist, ist er nur ein Holzturm. In den Wirtschaftsgebäuden und Gärten war viel mehr zu sehen.

Der Gedankengang zur Burggründung lautete: Ein vermögender Landherr plant eine Burg. Dazu soll zuerst eine Bauhütte, vorwiegend für die Holzverarbeitung, und ein einfacher Unterstand für eine Schmiede errichtet werden. In den nächsten Projektphasen kommen dann die restlichen Nutzgebäude hinzu. Aber auch an die Gärten und Tiere wurde bereits in dieser frühen Planungsphase gedacht. Hoffentlich behält die Arbeitsgruppe „Beirat & Fachberatung“ ihre Bedeutung und Einflussnahme während der gesamten Bauzeit über bei. Es gab schon genügend solcher ambitionierten Bauvorhaben, bei denen wissenschaftliche Erkenntnisse nur störend waren und fachliche Einwände bei Seite gewischt wurden.

Ebenfalls interessant fand ich die Bemerkungen zur Unterstützung von der politischen Seite. Von dort kam sehr schnell Unterstützung durch Vermittlung der wichtigsten Ansprechpartner; so wurde der Amtsweg begradigt. Einerseits soll es keine finanzielle Hilfe geben, aber auch somit keine Einflussnahme durch die Lokalpolitiker.

Apropos Bemerkung: Marko Appel weiß seit kurzem, dass das hessische Baurecht nicht die Errichtung einer Burg vorsieht! 😊

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