#1 Das Ostfränkische Reich (Deutschland) von Haralšur 21.09.2010 19:57

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Das Ostfränkische Reich
(Deutschland)


Das Ostfrankenreich (regnum francorum orientalium) ging aus der Teilung des Fränkischen Reiches im Jahre 843 hervor und ist ein Vorläufer des Heiligen Römischen Reiches.

Mit dem Vertrag von Verdun im Jahre 843
beendeten die Söhne Ludwigs I. des Frommen († 840)
- Lothar I.,
- Karl II. der Kahle
- Ludwig II. der Deutsche
den Kampf um die Macht und teilten sich die Herrschaft.

- Lothar erhielt den mittleren Teil
- Karl den westlichen Teil
- Ludwig den östlichen Teil des Reiches.

Die Teilung von 843 war lediglich eine Teilung der Herrschaft.
Sie entsprach den fränkischen Gepflogenheiten und bedeutete nicht das Ende eines gemeinsamen Fränkischen Reiches.
Ludwig I. hatte 817 auf dem Aachener Reichstag durch eine Erbregelung versucht, die Einheit des Reiches zu sichern, diese aber 829 wieder konterkariert, als er zu Gunsten seines Sohnes aus zweiter Ehe, Karl, eine Neuregelung vornahm.
Damit löste er einen Machtkampf aus, der erst mit der Einigung von Verdun beendet wurde. Da es zu keiner dauerhaften Einigung des Reiches unter einem Herrscher mehr gekommen ist, entwickelten sich Osten und Westen auseinander.
Dies war auch wesentlich dadurch bedingt, dass die naturgemäß auftretenden Machtkämpfe unter den Karolingern zu einer Vernachlässigung der Bekämpfung der äußeren Feinde führten. Die Verheerungen, die Normannen, Sarazenen und ab 899 die Ungarn im Reichsgebiet anrichteten, führten zu einem Ansehensverlust der karolingischen Dynastie und begünstigten den Aufstieg lokaler Anführer.


Die Wahl Konrads und die Etablierung der Herzogtümer

Zwar waren seit Karl dem Großen die älteren Stammesherzogtümer aufgelöst worden, aber die Bewohner des ostfränkischen Reiches lebten je nach ihrer Stammesherkunft noch immer nach unterschiedlichen Stammesrechten.
Indem Ludwig der Deutsche seine Söhne als Teilkönige in den alten Stammesgebieten einsetzte, wurde im Ostreich die Differenzierung nach Stammesgrenzen weiter gefördert. Die endlosen Bruderkämpfe und die dadurch geförderten Einfälle äußerer Feinde, und insbesondere die im Namen Ludwigs des Kindes geführte Regentschaft der Geistlichen und Adligen im ostfränkischen Reich, führten zu einem weiteren Ansehensverlust der karolingischen Dynastie.

Im Abwehrkampf gegen die äußeren Feinde wurde die Stellung mächtiger lokaler Adliger gestärkt. Häufig führten sie als Anführer ihres Stammesverbandes den eigentlichen Kampf gegen Normannen und Ungarn und gewannen dadurch an Ansehen.
Dadurch erreichten die mächtigsten Adligen der Grenzgebiete in Sachsen und Bayern relativ früh eine übergeordnete Stellung als Herzöge.

Ab ca. 900 versuchten auch mächtige Adlige in Schwaben und Franken eine herzogliche Stellung zu erreichen.
Beim Tode Ludwig des Kindes 911 existierten schon drei etablierte Stammesherzöge in Sachsen, Franken und Bayern, die einem weiteren Karolinger einen aus ihrer Mitte vorzogen, und den Franken und Nichtkarolinger Konrad I. zum neuen gemeinsamen ostfränkischen König wählten, da sich jeder Herzog alleine den äußeren Feinden nicht gewachsen fühlte.

Aus der äußeren Bedrohung entwickelte sich ein gewisses Zusammengehörigkeitsgefühl, aus dem sich ein eigenständiges Reich bildete, das die (sogenannten jüngeren) Stammesherzogtümer von Franken, Sachsen, Bayern, Schwaben und seit 928 Lothringen umfasste.


Heinrich I.

Der von Sachsen und Franken gewählte Heinrich ging behutsamer vor. Mit den Herzögen Arnulf von Bayern und Burchard von Schwaben einigte er sich bis 920 kampflos. Diese erkannten seine Herrschaft an und behielten dafür das wichtige Verfügungsrecht über die Kirche. Dies gab Heinrich die Möglichkeit, weitere Machtkämpfe im Westfrankenreich durch die Eroberung Lothringens 925 auszunutzen. Ein Einfall der Ungarn 926 wendete sich durch Glück zum Guten, als es ihm gelang einen ungarischen Fürsten gefangenzunehmen und einen neunjährigen Waffenstillstand zu erreichen. Auf dem Wormser Reichstag von 926 wurden wichtige Weichen für seine Regentschaft gestellt. Der mittlerweile verstorbene Herzog Burchard wurde durch einen Mann Heinrichs ersetzt, der diesem als vorletzter Herzog das Kirchenrecht überließ. Eine Burgenordnung wurde erlassen, der Heerbann reorganisiert und sein Ansehen durch die Aufwartung Rudolfs von Burgund gesteigert, der ihm womöglich bei dieser Gelegenheit eine wichtige Reliquie überließ, die Heilige Lanze, die später eine wichtige Rolle bei der Aufwertung der Siege Ottos I. spielen sollte. In der Folge befriedete Heinrich in mehreren Feldzügen die Slawen, erreichte 933 einen bedeutsamen Sieg gegen die Ungarn, einen weiteren gegen die Normannen im Norden und 935 die Anerkennung seiner Herrschaft über Lothringen durch den westfränkischen König. Kurz vor seinem Tod 936 ließ er sich von den Herzögen noch einmal die Nachfolge seines Sohnes bestätigen.

Otto I.

Die Wahl Otto I. in Aachen war sorgfältig inszeniert, um den Machtanspruch der sächsischen Dynastie zu unterstreichen und einen Bezug zu dem universellen Machtanspruch Karl des Großen herzustellen.
Doch musste dieser erst durchgesetzt werden. Otto sah sich nach einem Slawenaufstand Rebellionen seiner Brüder Thankmar und Heinrich gegenüber, die sich mit der Entschädigung durch Besitztümer als Ersatz für einen Teil der Herrschaft nach fränkischem Brauch nicht zufrieden zeigten.
Zudem musste Otto sich einem unbotmäßigen jungen Herzog von Bayern widmen,
der ihm nicht das wichtige Kirchenrecht überlassen wollte.
939 ging Otto aus diesen Wirren als Sieger hervor. Das Ergebnis war das uneingeschränkte Nachfolgerecht des ältesten Sohnes und die Neuorganisation der Herzogtümer.
Sachsen und Franken blieben unmittelbar in der Hand des Königs, während in Lothringen der in Gnaden wieder aufgenommene Heinrich eingesetzt wurde.
Die Herzöge von Bayern und Schwaben wurden durch Heiraten mit der Dynastie verbunden. Otto verfolgte diese Politik später konsequent weiter und suchte wann immer möglich, den Einfluss seines Hauses auf die Herzogtümer auszubauen.


Als Berengar 950 in Italien nach der Königswürde strebte, sah Otto den Zeitpunkt gekommen, seinen Einfluss nach Süden auszudehnen.
Nach sorgfältigen Vorbereitungen zog Otto nach Italien, übernahm die langobardische Königswürde und heiratete Adelheid, die Witwe des früheren Königs von Italien.
Bevor er weiter nach der Kaiserwürde trachten konnte zwang ihn aber ein Aufstand seines Sohnes Liudolf zur Umkehr, der um seine Thronfolge fürchtete.
954 nutzten die Ungarn die inneren Auseinandersetzungen zu einem erneuten Überfall und belagerten Augsburg. Der äußere Feind nutzte Otto, der alle Streitigkeiten beilegen konnte und 955 mit einem großen Heer, unter dem Siegeszeichen der Heiligen Lanze, die Ungarn auf dem Lechfeld vor Augsburg vernichtend schlug.
Dieser Sieg steigerte Ottos Ansehen weit über die Grenzen seines Reiches hinaus gewaltig. Der erwartete Griff nach der Kaiserwürde folgte, als Berengar, in Italien wiedererstarkt, zum Angriff auf Rom rüstete und der Papst Otto zu Hilfe rief (960). Nach sorgfältigen Vorbereitungen begann 961 der zweite Italienzug,
der am 2. Februar 962 in der Krönung zum Kaiser gipfelte.

In einem dritten Italienzug von 966 bis 972 rundete Otto seine Macht mit der vom Papst genehmigten Gründung des Erzbistums Magdeburg ab, die bereits durch die Einsetzung von Markgrafen und Gründung von Bistümern erreichte Expansion nach Osten stützte. Ein weiteres Ergebnis war nach längeren Auseinandersetzungen mit dem Byzantinischen Reich in Süditalien die Vermählung seines Sohnes Otto mit Theophanu, einer byzantinischen Prinzessin.
Ebenso suchte Otto seine Macht durch die Einbeziehung von in seinen Kapellen ausgebildeten Geistlichen in der Verwaltung des Reiches zu stützen.
Als Otto 973 kurz nach der Versammlung von Quedlinburg starb, in der Gesandtschaften aus ganz Europa den Glanz seines Hauses dokumentierten, war die hegemoniale Stellung des neuen Heiligen Römischen Reiches in Europa begründet.

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