#1 Danelag von Haralšur 21.09.2010 20:04

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Danelag

Als Danelag (englisch Danelaw, -lage oder -lagh, Mittelenglisch Denelage, Altenglisch Dena lagu bzw. Dänisch Danelagen, „dänisches Recht“) wird ein Gebiet in England bezeichnet, das zwischen 865 und 878 vom Großen Heer, einer Wikingerarmee, erobert und spätestens ab 886 auch von den nicht unterworfenen angelsächsischen Gebieten anerkannt wurde.

Das Gebiet des Danelags umfasste Teile der angelsächsischen Königreiche Mercia und Northumbria sowie East Anglia und lag somit im Nordosten Englands. Der Begriff Danelag für dieses Gebiet wurde erst ab Mitte des 11. Jahrhunderts verwendet, um die Bereiche Englands zu beschreiben, die sich sozial und rechtlich von den angelsächsisch dominierten unterschieden.

Im Danelag fand eine Besiedlung durch Skandinavier statt. Wie umfassend diese skandinavische Besiedlung des Danelags tatsächlich war, ist bis jetzt nicht abschließend geklärt. Die fünf befestigten Ortschaften Leicester, Lincoln, Nottingham, Stamford und Derby bildeten die militärischen, administrativen und wirtschaftlichen Zentren des Danelags. Diese fünf Orte sind unter der Bezeichnung Fünf Städte oder Fünf Burgen bekannt. Die endgültig 954 abgeschlossene Eroberung des Danelags durch das Königreich Wessex führte zur Entstehung Englands. Für die Entwicklung der englischen Gesellschaft lieferten Kultur, Sprache, Rechtsnormen und Organisationsformen der skandinavischen Siedler wichtige Impulse.

Entstehung

865 bis 878: Das Große Heer
Nach verschiedenen Überfällen durch Wikinger in der ersten Hälfte des 9. Jahrhunderts auf die britischen Inseln nahmen die Angriffe ab 850 eine neue Dimension an. Während die Überfälle bisher eine periodische Erscheinung waren – im Sommer plünderten die Flotten, um für den Winter nach Skandinavien zurückzukehren – überwinterte in diesem Jahr erstmals ein Wikingerheer in England auf der Insel Thanet vor der Themsemündung. Von blitzartig ausgeführten Raubzügen kleiner Gruppen hatten sich die Überfälle zu mit regulären Armeen geführten Feldzügen gewandelt. Den endgültigen Wendepunkt in dieser Entwicklung markierte die Ankunft des Großen Heeres im Jahr 865 in East Anglia.

Unter ihren Führern, den Brüdern Ivar und Halvdan, zog das Wikingerheer noch im selben Jahr nördlich über den Humber in das von Thronstreitigkeiten zerrissene Northumbria und nahm am 1. November dessen Hauptstadt York ein. Die Thronrivalen Osberth und Ælle vereinigten daraufhin ihre Streitkräfte, wurden jedoch am 21. März 867 mitsamt ihren Heeren von den Wikingern besiegt und getötet. Northumbria mit seiner Hauptstadt York wurde in der Folgezeit zu einem skandinavisch dominierten Königreich und zur Ausgangsbasis für Angriffe auf das restliche England. Nach der Einsetzung eines tributpflichtigen Marionettenkönigs namens Ecgberht I. durch die Wikinger verließ das Große Heer Northumbria, um in Mercia einzufallen. Den Winter 867/868 verbrachten die Wikinger in einem befestigten Lager in dem von ihnen eroberten Nottingham, belagert vom mercischen König Burgred, der sich auch trotz militärischer Hilfe seines Schwagers König Æthelred von Wessex nur durch Zahlung eines Lösegeldes der Wikinger entledigen konnte. Das Große Heer zog im folgenden Jahr wieder nach York ab. Im Jahr 869 setzten die Dänen ihre Invasion mit der Besetzung East Anglias (Winterquartier in Thetford) fort, schlugen im November 869 König Edmund von East Anglia bei Hoxne und gliederten damit dessen Reich endgültig ihren Besitzungen an. Edmund wurde bald darauf als Märtyrer verehrt. Im folgenden Jahr besetzte das Heer unter seinem Führer Guthrum das strategisch günstig gelegene Reading an der Themse, um Wessex zu erobern und lieferte sich mit den Westsachsen zwischen 870 und 871 mehrere Schlachten mit wechselndem Ausgang, so bei Englefield, bei Reading selbst, bei Ashdown, Basing, und Merantūn (Ort unbekannt, vielleicht Marton). Eine neue Flotte, die 871 in die Themse einfuhr, verstärkte das Große Heer in Reading. Alfred, der die Regentschaft über Wessex von seinem 871 verstorbenem Bruder Æthelred übernommen hatte, konnte trotz neun weiterer Schlachten (so unter anderem bei Wilton) jedoch keinen entscheidenden Vorteil erlangen und die erschöpften Gegner schlossen einen Waffenstillstand. Die Wikinger zogen sich nach London zurück.

Zwischen 871 und 874 richtete das Große Heer seinen Fokus auf Mercia. Winterlager in London (871/872), Torksey (872/73) und schließlich Repton (873/874), Sitz und Begräbnisstätte der mercischen Könige, bildeten die Eckpunkte der Route des Heeres durch Mercia. In Repton konnten durch umfangreiche Ausgrabungen das Lager des Großen Heeres rekonstruiert werden. So wurde unter anderem ein Massengrab mit den Gebeinen von mindestens 249 Angehörigen des Wikingerheeres entdeckt. Nach drei Jahren war Mercia gefallen. König Burgred zog 874 das Exil in Übersee vor (er starb bald darauf in Rom) und die Wikinger setzten an seiner Stelle den Schattenkönig Ceolwulf ein. Im selben Jahr teilte sich das Heer in Repton. Der Anführer des Heeres, Halvdan, zog mit einem Teil der Armee nach Northumbria. Nachdem er dort am nördlichen Grenzfluss Tyne in Kämpfen gegen Pikten und die Briten von Strathclyde sichere Grenzen errichtet hatte, teilte er im Jahr 876 das Land unter seine Gefolgsleute auf. In nur zehn Jahren waren East Anglia, Northumbria und Mercia in dänische Hände gefallen, einzig Wessex bot noch Widerstand.

Das Hauptheer zog 874 nach Cambridge. Von dort aus wurde 875 erneut ein Versuch unternommen, das letzte verbliebene angelsächsische Königreich Wessex zu erobern. Ohne auf Widerstand zu stoßen, gelangte das Heer bis nach Wareham an der Kanalküste, wo es den folgenden Winter verbrachte. 876 zog es weiter nach Exeter. Nach Verhandlungen zog das Heer 877 nach Gloucester in Mercia ab. Die Wikinger teilten das Land in ein englisches Westmercia und ein dänisches Ostmercia. Letzteres gaben sie zur Besiedlung frei und verringerten damit die Stärke ihrer Armee ein zweites Mal. 878 drangen sie erneut nach Wessex ein, benutzten Chippenham als Stützpunkt und brachten weite Teile von Wessex unter ihre Kontrolle. König Alfred zog sich in das unwegsame Sumpfland von Somerset zurück, wo er von der befestigten Insel Athelney aus Angriffe auf die Wikinger durchführen ließ. Im Frühjahr 878 schlug Alfred mit seinem nun gesammelten Heer die Wikinger bei Edington so nachhaltig, dass sie nach der darauf folgenden Belagerung ihres Hauptquartiers Chippenham in Verhandlungen einwilligten, die in den Vertrag von Wedmore mündeten. Der Führer der Wikinger, Guthrum, ließ sich mit dreißig seiner Gefolgsleute taufen, stellte Geiseln und zog im Laufe des Jahres aus Wessex nach Cirencester in Mercia ab. 879 zog das Heer dann endgültig nach East Anglia, um das Land unter sich aufzuteilen. 880 verließ Guthrum mit einem Teil seiner Männer England, um auf dem Kontinent im Karolingerreich zu plündern.

Angriffe zwischen 892 und 896

Bis 884 hatte Wessex Ruhe. In diesem Jahr landete Guthrum bei Rochester in Kent, wo sein Heer durch Wikinger aus East Anglia verstärkt wurde. König Alfred, der in den vorangegangenen Jahren Zeit zum Aufbau einer effektiven Verteidigung hatte, konnte den Angriff jedoch bis 886 abwehren und außerdem London erobern. Der Vertrag von Wedmore wurde erneuert und eine Grenzziehung vereinbart: Die Themse hinauf, und sodann den Lea hinauf, und den Lea entlang bis zu seiner Quelle, dann in gerader Linie nach Bedford, dann die Ouse hinauf bis zur Watling Street.
Größere Angriffe fanden erst wieder ab 892 statt, als das Große Heer, das sich 879 auf dem Kontinent gebildet und seitdem fränkische Gebiete an Rhein, Maas, Schelde, Somme und Seine geplündert hatte, in zwei Gruppen nach England segelte und Lager in Kent (Milten Regis, Appledore) errichtete. Nach Vereinigung der Gruppen zog das Heer 893 bis nach Buttington im Westen Mercias, um von dort aus Mercia und Wales zu plündern. Die Wikingerarmee wurde jedoch von einem walisisch-englischen Heer bedrängt und wich in die Ruinen der verlassenen Römerfestung Chester im Norden Mercias aus, wo sie Unterstützung durch Landsleute aus dem Danelag bekam. Gleichzeitig wurde Exeter von einer weiteren Wikingergruppe angegriffen. Nachdem im folgenden Jahr Wales geplündert wurde, zog sich das Heer von Chester bis nach Mersea in Essex zurück. Ein Lager auf einer Insel im Lea belagerte Alfred 894 erfolgreich. Auch ein weiterer Vorstoß der Wikinger 895 nach Bridgnorth am Severn blieb erfolglos, so dass sich das Heer 896 auflöste. Teile siedelten im Danelag. Wer nicht genug besaß, um sich dort Land zu kaufen, zog ins Frankenreich, um an der Seine mit weiteren Plünderungen zu Reichtum zu gelangen.

Gegen neuerliche Angriffe und Plünderungen aus dem Danelag im Jahr 896 gegen die Südküste von Wessex auf Wight und in Devonshire setzte Alfred auch Schiffe ein, die er nach eigenen Plänen bauen ließ. Durch ihre Größe – zweimal so groß wie die dänischen, höher, breiter und mit sechzig und mehr Rudern – waren sie jedoch letztendlich den wendigeren Schiffen der Wikinger auf See nicht überlegen, so dass der Erfolg der englischen Flotte wechselhaft blieb. Zumal die Dänen auch die erfahreneren Seeleute waren.


Eroberung des Danelags durch Wessex

Als König Alfred von Wessex im Jahr 899 starb, hinterließ er ein gefestigtes Reich. Aus dem Burghal Hidage, einem um 910 aufgezeichneten Dokument, geht hervor, dass er mindestens dreißig Orte in Wessex befestigen ließ. Dazu gehörten alte römische Lager (wie Portchester) und Städte (wie Exeter oder Winchester), neue Städte (wie Wareham oder Wallingford) und vorgeschichtliche Wallburgen (Pilton). Diese befestigten Plätze wurden durch Hufensteuern finanziert und mit Bauern bemannt. Das Heeraufgebot teilte Alfred in zwei Hälften, von denen eine immer unter Waffen stand. Durch diese Voraussetzungen war sein Sohn und Nachfolger Eduard der Ältere (König von 899 bis 924) in der Lage, die Eroberung des Danelags zu beginnen. Nach dem Tod seines Schwagers Æthelred erhielt Eduard die Kontrolle über das Themsetal, das ihm als Ausgangsbasis für seine Eroberungen diente. Gemeinsam mit seiner Schwester Æthelflæd, die weiterhin Mercia regierte, eroberte er in den Jahren bis 918 das südöstliche Gebiet Mercias und East Anglia, indem nach und nach einzelne Wikingergruppen ausgeschaltet wurden. Ein northumbrischer Angriff wurde 910 in der Schlacht von Tettenhall abgewehrt. Die durch den englischen Sieg folgende Schwäche des Danelags begünstigte Eduards Eroberungen. Um die unter seine Kontrolle fallenden Gebiete zu sichern, wurden weiterhin neue burhs angelegt. Bis 920 war auch das Gebiet der Fünf Städte erobert worden. 919–920 wurden schließlich im nördlichen Grenzbereich als Ausgangsbasis für die Eroberung des Königreiches York die burhs von Thelwall, Manchester und Bakewell angelegt. Für das Jahr 920 berichtet die Angelsächsische Chronik über Eduard den Älteren:

„[…] Der König der Schotten und das schottische Volk und Ragnvald und die Söhne von Eadwulf und alle, die in Northumbria leben, sowohl englisch und dänisch, Nordmänner und andere und der König von Strathclyde und alle aus Streathclyde wählten ihn zum Vater und Herrn.“
– ANGLO SAXON CHRONICLE (A, PARKER CHRONICLE). EINTRAG FÜR DAS JAHR 920.

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